Dressieren Sie Ihren Chef



Zeit, dass Sie mal Ihren Chef genau unter die Lupe nehmen. Studieren Sie Ihren Boss genau und erkennen Sie seine Stärken, Schwächen und Schrullen. Ändern können Sie die zwar nicht, aber seine Merkwürdigkeiten vielleicht zu Ihrem Vorteil nutzen. „Jeder Mensch hat Verhaltensmuster und Sichtweisen. Diese individuellen Strickmuster ergeben den Persönlichkeitstypus“, erklärt Esther S. Weidlich, Karrierecoach aus Berlin, die sich auf die Typenpsychologie des Schweizer Psychoanalytikers Carl Gustav Jung bezieht. Sie arbeitet mit der so genannten Insights- Discovery-Analyse, einem Computerprogramm, mit dem sich jeder Boss einordnen lässt. Natürlich gibt es Mischtypen, aber sie alle lassen sich auf einen dieser vier Charakterköpfe zurückführen. Suchen Sie Ihren Chef heraus, lernen Sie mit ihm umzugehen. Benutzen Sie dafür auch unser Körpersprache-Lexikon: damit können Sie sofort Chefs Launen deuten und darauf eingehen – und bald wird er Ihnen aus der Hand fressen.


Der Unterstützer
Typ Beziehungsmensch. Warmherzig, aber nicht emotional. Wichtig ist ihm Stabilität.
Büro Die Tür steht offen, auf dem Tisch Fotos. Die Möbel stehen Feng - Shui - gerecht oder sind ökologisch einwandfrei.
Arbeitsstil Eher langsam. Am liebsten arbeitet er mit Kollegen, die zugleich Freunde sind.
Führungsstil Er hasst kreatives Chaos und will Kontrolle aus Angst vor Veränderung.
Stärke Guter Zuhörer, Coach.
Schwäche Kann nicht nein sagen, muss darum manchmal Entscheidungen revidieren.

Der Beobachter
Typ Intellektueller. Wie der Direktor zieht er die Aufgaben den Menschen vor, ist aber nachdenklich und beherrscht.
Büro Schlicht, aufgeräumt. Alles hat seinen festen Platz.
Arbeitsstil Ernsthaft, analytisch, diszipliniert und äußerst präzise. Dadurch eher langsam. Er liebt Zahlen, Daten und Fakten.
Führungsstil Perfektionistisch, er kümmert sich um alles, erwartet Korrektheit, mag Eigeninitiative.
Stärken Lieber vorsichtig als unbesonnen, lieber konventionell als zu kühn.
Schwächen Er hängt an dem Bewährten. Unter Druck beißt er sich an Details fest, zögert Entscheidungen unnötig raus.

Der Inspirator
Typ Unterhaltungskünstler. Umgänglich, dynamisch, optimistisch, spontan. Will beliebt sein und sucht Anerkennung.
Büro Freundlich, chaotisch, Kommunikationsmittelpunkt.
Arbeitsstil Hasst Routine, delegiert großzügig, will Spaß.
Führungsstil Mitreißend. Er mag Bewunderer um sich. Überschätzt manchmal Mitarbeiter.
Stärken Löst spielend Konflikte. Lobt, fördert sein Team.
Schwächen Unzuverlässig, er schiebt lästige Dinge gern und lange auf. Unter Druck wird er unvorsichtig und launisch.

Der Direktor
Typ Gipfelstürmer. Willensstarker Einzel- und Wettkämpfer, risikofreudig, selbstbewusst, liebt die Unabhängigkeit.
Büro Nichts als Arbeit und Dokumente seiner Erfolge.
Arbeitsstil Schnell, effizient, bewältigt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Reagiert aggressiv auf Probleme und löst sie.
Führungsstil Fordert Können und Leistungsfähigkeit, erwartet bedingungslosen Respekt.
Stärken Trägt jede Verantwortung, ist ein guter Manager.
Schwächen Ungeduldig, verletzend, mag Schmeicheleien.


Das Körpersprache-Lexikon
Auch wenn Ihr Boss schweigt, sagt er eine Menge. Lernen Sie seine Körpersprache.

Ihr Chef verschränkt die Arme.
Entweder ist er mit Ihnen oder Ihrem Vorschlag nicht einverstanden.
Tipp: Lösen Sie die Haltung, indem Sie ihm ein Schriftstück oder dergleichen überreichen. Das funktioniert auch, wenn Ihr Chef nervös an einem Stift herumfingert.

Er sitzt Ihnen mit weit zurückgelehntem Oberkörper gegenüber.
Er lehnt Sie oder den Gesprächsinhalt ab. Die Körperhaltung kann allerdings auch Desinteresse bedeuten oder sein überlegenes Gefühl, alles im Griff zu haben.
Tipp: Holen Sie ihn an den Tisch zurück, indem er auf ein Papier schauen soll. Zücken Sie jetzt die Trümpfe, die Sie hoffentlich noch in der Tasche haben.

Er sitzt mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt am Tisch.
Entweder folgt er gebannt Ihren Ausführungen oder er wird Sie gleich unterbrechen.
Tipp: Sieht seine Haltung nach Interesse aus, geben Sie Gas. Unterbricht er Sie, lassen Sie ihn erst einmal reden und Dampf ablassen.

Ihr Chef ballt die Faust.
Gleich platzt er.
Tipp: Versuchen Sie zu beschwichtigen oder beenden Sie das Gespräch.

Er zeigt mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf Sie.
Er ist ungehalten, wenn nicht sogar wütend, attackiert Sie.
Tipp: Versuchen Sie ihn zu beruhigen oder schweigen Sie. Bleibt er hitzig, beenden Sie das Gespräch.

Er blinzelt stark.
Er ist nervös. Oder er trägt Kontaktlinsen.
Tipp: Bringen Sie Ruhe in die Debatte, versuchen Sie Zeit zu gewinnen.

Er streicht sich während des Sprechens das Kinn.
Er ist nachdenklich und/oder mit sich zufrieden.
Tipp: Jetzt können Sie einen bleibenden guten Eindruck hinterlassen. Gehen Sie.

Er runzelt die Stirn, schüttelt den Kopf, kramt in Unterlagen herum, guckt aus dem Fenster.
Er läßt Sie auflaufen, er ist ungehalten und ablehnend.
Tipp: Kommen Sie zielstrebig zur Sache, bleiben Sie höflich, aber hartnäckig. Je brenzliger die Situation, desto stärker müssen Sie ihn im Blick behalten. Wer einer „Gefahr“ ins Auge schaut, wirkt stark und selbstsicher.

Er trommelt mit den Fingern auf die Tischplatte.
Er ist nervös, ungeduldig, eilig, will Sie los werden.
Tipp: Sind Sie noch nicht am Ziel, tragen Sie noch einmal kurz und knapp Ihr Anliegen vor. Nehmen Sie ein Stück seines Reviers in Beschlag, indem Sie z.B. einen Arm auf seinen Schreibtisch stützen.

Er legt seine Füße um die Stuhlbeine.
Vermutlich sucht er Halt, weil er unsicher ist.
Tipp: Jetzt können Sie Punkte sammeln, indem Sie ihm Sicherheit geben. Betonen Sie beispielsweise, dass das Geschäft, das Sie vorschlagen, keinerlei Risiko für ihn bedeutet und er sich ganz und gar auf Sie verlassen kann.

Er guckt Sie nicht mehr an.
Entweder ist er verlegen, will Sie los werden oder was Sie sagen, ist ihm unangenehm.
Tipp: Haben Sie zuviel geredet? Stellen Sie eine Frage, damit er wieder die Oberhand gewinnt.

Er steht auf und vergräbt die Hände in den Hosentaschen.
Er ist kritisch, verschließt sich.
Tipp: Geben Sie ihm ein Papier, damit er die Hand aus der Hose holt. Sollten Sie noch ein As im Ärmel haben, ziehen Sie es jetzt. Oder vertagen Sie die Unterhaltung.

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